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Geheimnisvolles Edinburgh

Die hügelige Hauptstadt Schottlands ist eine der gespensterreichsten Städte. So heißt es in zahlreichen Berichten. Dunkle Gassen und alten Gemäuer inspirierten namhafte Literaten zu großartigen Geschichten. Wer den Nervenkitzel und ein Glas Whiskey liebt, ist in der Metropole goldrichtig. Mittelalterliche Häuser mit kleinen bunten Shops, Restaurants und Bars umsäumen die Straßen. Ihre Bekannteste ist die Royal Mile. Sie teilt sich auf in die Abschnitte Lawnmarket, High Street und Canongate.
Text: Swantje Puin (tabasco. media)

Edle Steine und ein Herz

Edinburgh Castle thront über der Stadt. Die Burg beherbergt die schottischen Kronjuwelen und den „Stein der Vorsehung“. Die Queen gab ihn 1996 nach 700 Jahren in einem feierlichen Zeremoniell an Schottland zurück. Folgt man der Royal Mile nach unten, erfahren Interessierte im The Scotch Whiskey Experience alles rund um das Nationalgetränk. Direkt vor der St. Giles Cathedral, ist der Umriss eines Herzens im Kopfsteinpflaster abgebildet: das Heart of Midlothian. Hier befand sich vom 15. bis 19. Jahrhundert die Verwaltung und das Gefängnis der Grafschaft Midlothian.

Edinburgh-Castle
Thront oberhalb der Stadt: Edinburgh Castle. (©mariocito/GettyImages)

Auf dem Vulkan

Die Schotten lieben ihre Traditionen wie den Kilt oder Dudelsack. Gleichzeitig gibt sich die 445.000-Einwohner-Stadt weltoffen. Besonders zeigt sich das beim Edinburgh International Festival im August. Künstler aller Nationalitäten präsentieren sich dann in der Royal Mile. Am Ende der Straße steht man plötzlich mitten im Grünen. 200 Meter ragt der Tafelberg Arthur’s Seat mit dem Holyrood Palace auf – der zweiten königlichen Residenz der Stadt. Der grasbewachsene Berg ist der Rest eines Vulkans. Mitten in der Altstadt wirkt er wie eine Kulisse aus dem Film Highlander. Der Blick vom Gipfel bis zur Forth Bridge und zum Meer entschädigt für den Aufstieg, wenn wie so oft in Edinburgh plötzlich Böen und Regenschauer peitschen.

Die Feensärge

Als vor rund 200 Jahren Kinder auf dem Arthur’s Seat spielten, machten sie einen makabren Fund. Hinter einem Stein verbargen sich 17 kleine Holzsärge. In ihnen befanden sich aus Holz geschnitzte Puppen mit eigenen Gesichtern und Totenhemden. Die Zahl ließ eine schaurige Vermutung aufkommen: 17 Menschen hatten die berüchtigten Serienkiller Burke und Hare in Edinburgh umgebracht. Ihre Körper hatten sie der Universität für anatomische Studien verkauft. Wollte den Getöteten jemand die letzte Ruhe verschaffen? Bis heute ist die Geschichte ein Rätsel. Genauso wie der Verbleib von neun der im Volksmund genannten „Fairy Coffins“ – „Feensärge“. Die restlichen acht befinden sich im National Museum Scotland.

Edinburgh-Hausberg-Arthurs Seat
Steilhang am Hausberg Arthur`s Seat. (©Andrew Merry/GettyImages)

Düsterer Untergrund

Nach dem Abstieg suchen viele den direkten Weg zu einem frischen Pint. Ein Glas Guinness lässt sich in der Taverne des Stadtrates Deacon Brodie trinken. Dieser raubte im 18. Jahrhundert die Reichen der Stadt aus. Sein Doppelleben inspirierte den Schriftsteller Robert Louis Stevenson zu der Novelle Dr. Jekyll und Mr. Hyde.

Täglich nach Einbruch der Dunkelheit führt ein Guide durch die Katakomben der South Bridge. Mit zunehmender Bedeutung von Edinburgh im 18. Jahrhundert, wurden die Gemäuer Schauplatz böser Machenschaften. In den dunklen Nischen der Brückenpfeiler fanden illegale Whiskey-Brenner und zwielichtige Gestalten wie die Serienkiller Burke und Hare Unterschlupf. Bis heute sollen ihre Geister in der Old Town unterwegs sein.

Grusel im Greyfriars

Zurück aus dem Untergrund geht es auf den Friedhof Greyfriars Graveyard. Einer, der hier 1691 seine letzte Ruhe fand, war Sir Lord Mackenzie. Besucher, die sich seinem Grab näherten, wiesen hinterher unerklärliche Verletzungen und Schmerzen auf. Das Gerücht besagt, dass er als Poltergeist immer wieder sein Unwesen treiben Die Stadtverwaltung schloss Teile des Friedhofs und befestigte zur Sicherheit ein Stahlschloss an Mackenzies Mausoleum.

Edinburgh-Pub-Greyfriars
Der legendärer Pub Greyfriars Bobby ist nach einem für seine Treue berühmten Skye Terrier benannt. (©Maremagnum/GettyImages)

Bobby und Harry

Die Hauptattraktion ist das Grab des Skye Terriers Bobby mit der Inschrift: „Let his loyalty and devotion be a lesson to us all“. Der Hund soll bis zu seinem Tod 14 Jahre lang am Grab seines Herrchens ausgeharrt haben. Wer an der Kirche heraus geht, erblickt an der Candlemaker Row die Bronzestatur des tierischen Helden.

Hogwarts um die Ecke

Auch Harry Potter-Fans kommen in Greyfriars auf ihre Kosten. Zwischen den knorrigen Bäumen wurde Autorin Joanne K. Rowling zu ihren Romanfiguren inspiriert. So steht hier das Grab von Thomas Riddle, den sie als Lord Voldemort zum gefürchteten Bösewicht erweckte. Die hinter dem Friedhof aufragende George Heriot’s School diente ihr als Vorbild für die Zaubererschule Hogwarts. Im Café The Elephant House, eine Straßenecke weiter, verfasste Rowling die ersten beiden Bände ihrer Potter-Saga.

Edinburgh-Park-Altstadt
Der Princes Street Gardens verbindet Edinburghs mittelalterliche Old Town mit der viktorianischen New Town. (©jenifoto/GettyImages)

Highlights in New Town

Neben der verwinkelten Old Town liegt das gitterartige Straßennetz der New Town. Elegante Gartenanlagen und neoklassizistische Gebäude prägen das Bild dieses UNESCO Welterbes. Die Hauptstraße Princes Street ist ein Shopping-Paradies. Ebenfalls interessant ist ein Abstecher in die Seitenstraßen mit den ehemaligen Häusern der Literaten Sir Walter Scott und Robert Louis Stevenson. Auch der Lieblingspub The Oxford Bar von Ian Rankin befindet sich im Viertel. Dessen Publikum diente dem Krimiautor als Vorbild für seine Romanfiguren um Inspektor John Rebus.

Bester Sonnenuntergangsplatz

Am Ende der Princes Street befindet sich der grüne Carlton Hill. Hier ragen National und Nelson Monument sowie ein kleiner Tempel in den Himmel. Der Blick vom Hügel reicht bis zu den Stränden rund um Portobello sowie dem Hafenviertel Leith. In dieser Szenerie drehte der Regisseur Danny Boyle seinen Film Trainspotting. Von hier oben zeigt sich Edinburgh erneut als Inspirationsquelle: Die Skyline der Stadt wirkt wie die dramatische Kulisse eines spannenden Historienfilms. Vor allem am Abend, wenn die Sonne hinter dem Castle versinkt.

Reiseblogger – Tipp

Maike Braun
https://www.opjueck-un-zuhuss.de

Das National Museum of Scotland gehört nicht nur zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten in Edinburgh, es ist mit über zwei Millionen Besuchern pro Jahr auch das meistbesuchte Museum des Landes. Doch während sich in dem außergewöhnlichen Gebäude die Besucher tummeln, um tausende faszinierende Exponate zu bestaunen, ist es auf der Dachterrasse des Museums angenehm ruhig. Was viele Touristen nicht wissen, von dort hat man einen traumhaften 360° Ausblick über die Stadt und vor allem auf Edinburgh Castle. Das macht die Dachterrasse zum perfekten Fotospot. Allerdings fahren nicht alle Aufzüge bis in den siebten Stock. Lediglich der Terrassenaufzug in den Schottland Galerien des modernen Anbaus fährt so hoch hinaus. Während der Stoßzeiten kann die Wartezeit für alle Aufzüge des Museums jedoch sehr lange sein. Alternativ führt auch eine Treppe aus dem fünften Stock, genauer gesagt aus der Galerie Industry & Empire, auf die Terrasse. Der Eintritt in Schottlands Nationalmuseum, was nur wenige Gehminuten von der berühmten Royal Mile entfernt liegt, ist übrigens kostenlos.

(@Maike Braun)

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