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Manchester: „The Red City“ – zwischen Tradition & Moderne

Manchester ist die drittgrößte Metropole Großbritanniens und das ungeschliffene Juwel der englischen Krone: reich an Geschichte, voll spannender Gegensätze und ebenso stolz auf seine weltbekannte Musikszene wie auf seine Fußballgrößen. Ein Besuch der Stadt im Zentrum der Metropolitan County Greater Manchester lohnt mit Regenschirm im Gepäck rund ums Jahr. – Text: Swantje Puin (tabasco. media)

Hier wandelt man auf den Spuren großartiger Musiker, besucht das Stadion des weltberühmtesten Fußballvereins Manchester United und genießt die Atmosphäre des einzigartigen Tag- und Nachtlebens. Die rund 500.000 Einwohner der Metropole im Nordwesten Englands nennen sich Mancunians oder abgekürzt Mancs. Wer Manchester richtig kennenlernen will, quartiert sich am besten in einer seiner authentischen Privatunterkünfte ein. Bei einer Tasse Tee geben die Vermieter hilfreiche Tipps. Zum Beispiel, dass sich zum Erkunden einer der vielen Rundgänge oder eine der zahlreichen Touren anbietet.

Auf einer Kanaltour erfahren die Teilnehmer, dass die Mancs die Wasserläufe zur Zeit der Industrialisierung für den Transport von Gütern anlegten. Das Wasser zeichnete sich durch seine besondere Weichheit aus. Es eignete sich ideal für das Bearbeiten von Stoffen. So wuchs Manchester mit der Ansiedlung der ersten Textilfabriken im 18. Jahrhundert zur wichtigsten Industriestadt Englands heran. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden hier bereits 60 Prozent des weltweiten Baumwollbedarfs gesponnen, gefärbt und rund um den Globus verschickt. Auch Friedrich Engels, einer der Wegbereiter des Sozialismus, gründete in Manchester eine Baumwollspinnerei. Er lud seinen Freund Karl Marx ein, den „Manchesterkapitalismus“ kennenzulernen. Dessen Auswirkungen auf das damalige Leben und Arbeiten spiegelt heute auf anschauliche Weise das Textilmuseum Quarry Bank Mill in Styal wider. Doch der Niedergang der Industriemetropole sollte folgen und schon bald zeichnete sich das Bild von leeren Lagerhallen, verfallenen Fabrikgebäuden und stillgelegten Webereien ab.

Der Wandel zur modernen Großstadt

Seit Beginn der 1960er-Jahre erlebt Manchester einen Wandel. Heute befinden sich in vielen der alten Fabrikgebäude trendige Bars, Restaurants, Clubs und großzügige Loftwohnungen. Die Architektur der Metropole ist geprägt von futuristischen Bürokomplexen neben viktorianischen Prachtbauten.

Foto: ArTo – stock.adobe.com

Durch das häufige Verwenden von rotem Backstein als Baumaterial wird die Stadt auch „Red City“ genannt.

Es gibt 35 „Conservation Areas“ – Orte oder Gebäude von historischer oder architektonischer Bedeutung. Dazu gehören die im Zentrum befindlichen großen Plätze St. Peter’s Square und Albert Square sowie Denkmäler, die an berühmte Personen und Könige erinnern. Zu den besonders sehenswerten Bauwerken zählen die gotische Manchester Cathedral, die Getreidebörse Corn Exchange und das Rathaus Manchester Town Hall.

Ob Kinder oder Erwachsene: Absolut erlebenswert ist das kostenlose Museum of Science and Industry. Wer dem Kanalverlauf folgt, kommt zum Hafenareal Salford Quays in Trafford – einer der Umschlagplätze für Baumwolle zur Zeit der Industrialisierung, an dem sich die Restrukturierung deutlich zeigt: Zunächst verfallen, ist es heute komplett saniert. Hier steht das nach dem gleichnamigen Künstler benannte Kulturzentrum The Lowry. Hinter einer eindrucksvollen Hülle aus Glas und Metall beherbergt es Theater, Galerien, Cafés und Restaurants. Über eine geschwungene Kanalbrücke gelangt man zum Imperial War Museum North des Architekten Daniel Libeskind. Das beeindruckende Gebäude stellt durch drei „Scheiben“ eine zerbrochene Erdkugel dar, die neu zusammengefügt die Folgen des Krieges symbolisieren.

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Foto: Jacek Wojnarowski – stock.adobe.com

Tore, Trophäen und Triumphe: das „Theater der Träume“

In Gehweite befindet sich Old Trafford, die Heimat des Fußballklubs Manchester United. Ihr Stadion nennen die Mancs „Theatre of Dreams“. Die rund anderthalb Stunden dauernde Führung gewährt einen beeindruckenden Blick hinter die Kulissen: von der Nordtribüne zu den Umkleidekabinen der Mannschaften durch den Tunnel zum Spielfeld. Den heiligen Rasen dürfen Besucher zwar nicht betreten, dafür lassen sich anschließend die Trophäen und Triumphe aus der 135-jährigen Geschichte von Manchester United im Museum bestaunen. Interaktive Ausstellungen lassen George Best, Cristiano Ronaldo und Wayne Rooney lebendig werden. Wer die Manchester-Mannschaften United und City wirklich live erleben will, bemüht sich frühzeitig um ein Onlineticket. Eine originale Anreise bietet die LS Lowry. Das kleine überdachte Boot tuckert von Castlefield aus zu jedem Heimspiel. Nach Spielende bringt es die fachsimpelnden Fans von Old Trafford auf einer 40-minütigen Fahrt zurück ins Zentrum.

Music in the Air: Pop, Klassik und vieles mehr

Nicht nur Fußballgrößen stammen aus dieser Stadt, sondern auch weltbekannte Bands – von New Order, Joy Division und The Smiths über die Bee Gees bis hin zu Take That, den Chemical Brothers und Oasis. Die Musikindustrie lebt auf Hochtouren, was vor allem junge Besucher anlockt. Geht man durch die schmalen Straßen des unkonventionellen Northern Quarters im Herzen der City, sind neben Designerläden zum Shoppen auch Clubs, Jazzlokale und Independent-Bars zu finden. In ganz England bekannt ist das Night & Day Café in der Oldham Street. Hier stehen jeden Abend lokale Bands auf der Bühne. Ein absolutes Highlight ist das Manchester International Festival. Kulturinteressierte, die zu anderer Zeit in der Stadt sind, lassen sich auf einer Tour wie dem Fac 51 Music Walk begeistern, einem zweistündigen Rundgang zu den bedeutendsten Schauplätzen des städtischen Musiklebens. Liebhaber der Klassik kommen in der Bridgewater Hall zu wahrem Genuss. Wichtige Bühnen sind zudem das Palace Theatre und Manchester Opera House.

Kulinarisches: Beer, Bakeries, Fish & Chips

Was wäre England ohne ein britisches Bier! Während der Independent Beer Convention im Oktober präsentieren Brauereien in der beeindruckenden Architektur der Victora Baths ihre Vielfalt. Eine interessante Alternative ist die Führung durch die Cloudwater Brew, die mit viel Liebe zum Detail Bier herstellt. Wer neben Durst auch Hunger hat, dem sei der Fosters Fish & Chip Shop in der 812 Wilmslow Road in Didsbury ans Herz gelegt oder – außerhalb Manchesters mit Blick auf den Wald – in Alderley Edge in Cheshire. Ein Ausflug nach Levenshulme in das Trove lohnt ebenfalls. Die Bäckerei mit Café zaubert eine bunte Auswahl frischester Zutaten auf den Teller. Für ein ausgezeichnetes Dinner zu moderaten Preisen werden Reisende in der Burton Road in Didsbury fündig, etwa im Volta. Die besten Cocktails und dazu eine fantastische Aussicht gibt es in der Bar Cloud 23 im 23. Stockwerk des Beetham Towers. Mit 171 Metern zählt er zu den höchsten Wohngebäuden Europas. Hier sollte man vorher reservieren – eintreten darf allerdings nur, wer bequeme Sneakers, Shorts und Shirts gegen elegantes Schuhwerk und feinen Zwirn auswechselt, etwa das typische Manchester-(Cord-)Jackett.

Highlights und Ausflugsziele in Manchester

Die Manchester WalkTour

Eine Kanal-, Stadion- oder Music-Walktour? Zum Erkunden der Stadt ideal! walkmanchester.com

Peak-District-Nationalpark

Saftiggrüne Hügel, Felshänge und jede Menge Schafe: Die Stadt ist ein großartiger Ausgangspunkt für Ausflüge in den imposanten Peak-District-Nationalpark mit dem längsten Wanderweg Englands, dem Pennine Way. peakdistrictonline.co.uk

Manchester Piccadilly

Vom Manchester Airport dauert es etwa 15 Minuten zum Hauptbahnhof Manchester Piccadilly. Drei kostenlose Buslinien (Metroshuttle 1, 2 und 3) fahren von hier aus zu vielen Bus- und Stadtbahnhaltestellen.

Reisen von Hannover nach Manchester sind buchbar unter haj.de oder telefonisch unter 0511 977-1111.

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