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Sardinien: Paradiesinsel mit mediterranem Karneval.

Die wahren Kenner wissen: Sardinien ist nicht nur im Sommer ein fantastisches Reiseziel. Auch von Herbst bis ins Frühjahr lockt der Zauber der Insel. Neben paradiesischen Stränden, idyllischen Bergdörfern und mediterraner Freundlichkeit beeindrucken besonders die sardischen Volksfeste. – Text: Swantje Puin (tabasco. media)

Raus aus dem Alltagstrott. Rein in das bunte Treiben. Sich unter die Menge mischen und von dem Gefühl purer Ausgelassenheit anstecken lassen: Das ist Karneval auf Sardinien! Ein Event, das man nicht verpassen sollte – da non perdere!

Konfetti, Kuhglocken und Festzüge

Bunt, ausgelassen und spektakulär – so feiern die Sarden ihren Karneval in den größeren Städten. Alljährlich locken sie weit über 100.000 Besucher aus ganz Europa in die Hochburgen des närrischen Treibens. Zu ihnen zählen Tempio nahe Olbia oder Iglesias nahe Cagliari sowie das dazwischen liegende Nuoro.

Der wohl berühmteste und gleichzeitig jüngste Karneval der Insel ist der „Carnevale Tempiese” in Tempio Pausania. Er fand erstmals 1956 statt. Die Hauptperson ist Re Giorgio (König Georg). Aufwendig geschmückt, hält er das Zepter in den närrischen Wochen fest in der Hand. Während der Prozession durch die Stadt begleiten ihn tanzend und musizierend fantasievoll verkleidete Einwohner, die sich lange vorher schon auf das Fest vorbereiten.

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Foto: iStock.com/gianluigibec77

Mal als Narren, mal in Uniformen und Trachten, mal leicht bekleidet in Glitzerkostümen. Mit Trommeln und Trompete oder Technomusik. Zu Fuß oder auf selbst gebauten Wagen. Viele davon prangern mit lustigen überdimensionalen Figuren aus Pappmaschee die Politik und Missstände an. Bunte Wagen zu unterschiedlichsten Themen ziehen auch durch die geschmückten Straßen des Karnevals in Nuoro und Iglesias. Begleitet von Trommelwirbel, Luftschlangen, Kuhglocken, Konfetti, Musik, Tänzen und Gesängen. Die Festzüge erinnern stark an die Bräuche und Traditionen in Deutschland.

Masken, Mythen und Mamuthones

Wer den Karneval von seiner ursprünglichen Seite erleben will, sollte einen Abstecher in die idyllischen Dörfer Mamoiada, Ottana oder Orotelli machen. Die Historie des Karnevals reicht hier zurück bis ins 16. Jahrhundert. Bis heute beziehen sich die Feste auf die Natur sowie das Leben der Bauern und Hirten.

Unvergesslich ist der Karneval in Mamoiada. Gruselige Gestalten in dunklen Schafsfellen ziehen mit kohlrabenschwarzen Masken und Kuhglocken um den Hals durch die Gassen. Als seien sie einem Film von Fellini entsprungen. Sie symbolisieren die Mamuthones, die „schwarzen Schafe“, die zu Leibeigenen wurden.

Rot gekleidete Wächter, die Issohadores, halten sie mit einem Lasso in Schach. Wer sich aus der „Sklaverei“ befreien will, muss in der nächsten Bar eine Runde ausgeben. Zuschauer und Dorfbewohner singen, tanzen und feiern währenddessen ausgelassen.

Merdules – die Hüter der Tiere

Ähnlich beeindrucken die getanzten Umzüge der Merdules und Boes in Ottana. Erst ist es noch still in den Gassen. Plötzlich hört man Kuhglocken und ein rhythmisches Stampfen. Kurz darauf zeigen sich die gespenstischen Gestalten in zotteligen Tierfellen und handgeschnitzten Tiermasken. Diese Boes – Ochsen – stehen symbolisch für Stärke und Fruchtbarkeit. Begleitet werden sie von den Merdules – den Hütern der Tiere.

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Foto: iStock.com/francescomoufotografo

Auch durch die Straßen von Orotelli ziehen Gestalten mit geschwärzten Gesichtern, eingehüllt in lange, dunkle Gewänder: die Thurpos. Es sind „Blinde“, die während des Umzuges Phasen des bäuerlichen Lebens darstellen wie Saat, Ernte und Tierzucht. Das Wehklagen und rituelle Begraben oder Verjagen des Winters ist außerdem ein fester Bestandteil der dörflichen Festivitäten.

Sternenstechen beim Reiterfest

Kreative Kostüme mit Masken, geschmückte Pferde, viel Musik und fröhliches Zusammensein garantieren auch die Karnevalsfeiern in Oristano. Aufregend und abenteuerlich geht es hier vor allem bei der Sartiglia zu. Das berühmte Reiterfest findet seit über 500 Jahren statt. Reiter galoppieren dabei auf ihren Pferden durch die Straßen, um einen in der Luft hängenden Stern aufzuspießen.

Gelingt es ihnen, wird der Boden gute Früchte tragen. Der Stadt eine gute Ernte bringen. Im Anschluss an die Sartiglia begeistern akrobatische Reitvorführungen bei der Pariglie mit riskanten Kunststücken.

Sardiniens Karneval der Kulinarik

Was wäre eine Reise nach Italien ohne die kulinarische Vielfalt? Wie überall im Land spielen Essen und Trinken auch beim Karneval auf Sardinien eine bedeutsame Rolle. Typisch für diese Zeit sind Zippole: frittierte und mit Zucker bestreute „Teigschlangen“.

Darüber hinaus servieren die Sarden traditionell ihre Favata – einen deftigen Bohneneintopf mit Wirsing, Speck und Bratwurst. In vielen Orten werden in der letzten Nacht des Karnevals, am Martedì grasso, kostenlos Bohnen und Speck – fave e lardo – verteilt. Dazu gibt es einen kräftigen Rotwein. Außerdem zum Verdauen den traditionellen Schnaps Filu ’e Ferru.

Sardische regionale Köstlichkeiten

Die Gelegenheit, den Geschmack Italiens mit nach Hause zu nehmen, bieten rund um den Karneval regionale Hersteller sardischer Köstlichkeiten. Ob Käse, Wurst und Schinken oder Süßigkeiten, Honig und Wein – die Leckereien lassen das Herz eines Feinschmeckers höher schlagen.

Am Ende der Reise besteht kein Zweifel: Wer sich zur Karnevalszeit auf den Weg macht, wird mit einem Fest für alle Sinne belohnt. Spektakuläre Eindrücke und italienische Lebensfreude inklusive.

Reiseblogger-Empfehlung

Auch im Winter lohnt es sich, ein Auto zu mieten und die Küste zwischen dem Hafenort Olbia und dem knapp 90 km weiter südlich gelegenen Dorf Orosei entlangzufahren.
Wir waren sehr überrascht von den fast schon karibisch anmutenden Stränden: Besonders die Buchten bei San Teodoro, die Pinienstrände bei Budoni und der Naturkpark Bidderosa
sind Highlights.

Das Dorf Orosei am Fuße des Supramonte-Gebirges gleicht übrigens einem sardischen Traum: Malerische Kopfsteinpflasterstraßen führen sanfte Hügel hinauf und hinunter, immer wieder zurück zum Zentrum mit seiner Pfarrkirche und urigen Bistros. Wir kauften uns eine Flasche Wein, bestellten Pizza am Imbiss und wanderten bis spät in den Abend durch die verwinkelten Gassen mit ihren pastellfarbenen Steinhäusern.

Tipp: Überall auf dem Weg sind sogenannte Agriturismos ausgeschildert: Bauernhöfe, die einen Platz zum Schlafen und/oder ein traditionelles Essen aus eigener Herstellung an-bieten. Unbedingt ausprobieren!

-Sina Wendt

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